Leseprobe: Die Geburt des Wassermann-Zeitalters

Einleitung

Was hat es mit dem »Wassermann-Zeitalter« auf sich? Oft genug tauchte der Begriff auf, als die Esoterik-Szene noch lebendig war. Hier einige Beispiele.

Beispiel 1: » This is the dawning of the Age of Aquarius « – Das Wassermann-Zeitalter dämmert herauf – das war einer der populären Schlager aus dem Musical Hair , welches in den sechziger Jahren Furore machte.

Beispiel 2: » The Aquarian Conspiracy« – Die Verschwörung im Zeichen des Wassermanns – hieß der Originaltitel eines Buchs der amerikanischen Wissenschafts-Journalistin Marilyn Ferguson . Die deutschsprachigen Übersetzer wagten es nicht, etwas Astrologisches in den Titel zu bringen, und so wurde daraus »Die sanfte Verschwörung«, ein Titel, der geradezu zu einer Parodie einlud, die prompt erschien (»Die sanfte Verblödung« von Hans A. Pestalozzi).

Beispiel 3: »Das Wassermann-Evangelium« hieß ein Buch über ein noch nicht entdecktes Evangelium, in dem die Lehre der universellen brüderlichen Liebe unbefleckt vom Ballast theologisch-autoritärer Tradition dargestellt wird.

In vielen anderen Schriften ist ebenfalls vom »Wassermann-Zeitalter« die Rede. Und selbst ohne den Bezug auf ein astrologisches Zeichen – oder Weltalter – dringen Vorstellungen in unser Bewusstsein, die sich radikal von der (immer noch gegebenen) gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und psychischen Wirklichkeit abgrenzen:

  • Da ist die Rede von informellen Netzwerken und von brüderlicher Liebe (schon vorausgeahnt bei Schiller und Lessing, Mozart und Beethoven).
  • Das Internet ist das größte demokratische Netzwerk, in dem es keine sozialen Hierarchien gibt. Eine ‚Tochter’ des Internets ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia , an der jeder mitarbeiten kann und die alle gedruckten Lexika überflüssig machte.
  • Die moderne Physik verliert ihren newtonschen Boden und erklärt eigenartige Phänomene (über die schon Einstein stolperte) mithilfe östlich-buddhistischer Weisheiten.
  • Politische Gruppierungen entstehen, die von den etablierten Parteien als »chaotisch« beschimpft werden und es auch sind. Immerhin: Sie verlangen die Einbindung eines jeden Bürgers in den politischen Entscheidungsprozess, also eine bürgernahe und direkte Demokratie. Bis jetzt ist das Projekt gescheitert, was nicht unbedingt an der Partei liegen muss. Die Ideen sind da, die dazu nötigen Menschen noch nicht.
  • In manchen erfolgreichen Firmen gibt es kaum noch Hierarchien, dafür umso mehr individuelle Freiheit und Kreativität.
  • In aller Welt streben die Menschen nach Freiheit und sind bereit, dafür auch zu sterben. Das Modell einer »stratifizierten« Gesellschaft, in der jeder seinen angestammten Platz hat, ist nur noch bei einigen fundamentalistischen religiösen Gruppen und ein paar Diktaturen verbreitet.

Stimmt es, dass wir in ein neues Zeitalter der universellen brüderlichen Liebe eintreten? Oder sind das Wunschvorstellungen, ähnlich wie am Ende der Römer-Ägide, als die entwurzelten Sklaven einen neuen Sinn im Leben suchten und in der Religion des Märtyrers Jesus fanden? Steht uns eine Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten bevor, ohne Fesseln, ohne Unterdrückung, ohne Grausamkeit und Not? Oder werden die Computer im Verein mit einer skrupellosen Geheimpolizei unser Leben bis in die intimsten Einzelheiten erfassen und Orwells »1984« noch übertreffen? Beides ist ja wohl schon eingetreten, auch wenn das Negative in den Medien überwiegt.

Wie Sie sehen, lautet die Antwort auf alle Fragen »ja«. Aber wie kann das sein? Und wie kann jemand so etwas behaupten, wo doch die Zukunft unbekannt ist und das Tempo der Veränderungen immer noch zunimmt?

Dieses Buch beschäftigt sich mit den kommenden 2000 Jahren. Es stützt sich dabei auf eine These, die man als die Theorie derkosmischen Zyklen oder der Weltzeitalter bezeichnet. Die astronomischen und astrologischen Grundlagen der Theorie werde ich in den nächsten Kapiteln kurz erklären. Sie sind sehr einfach; so einfach, dass sie jeder nachvollziehen und auf andere Zeitalter anwenden kann (was wir auch für den geschichtlich überschaubaren Bereich machen werden).

Unsere These besagt: Wir befinden uns derzeit tatsächlich an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, ähnlich wie das Römische Reich um Christi Geburt, als die »Widder-Zeit« der Assyrer und Juden, der Griechen und Römer langsam zu Ende ging und von der » Fische-Zeit« der christlichen Lebensauffassung abgelöst wurde. Auch die Symbole stimmen: Griechenlands mythisches »Goldenes Vlies« ist das Fell eines Widders. Das frühe Christentum hatte als Geheim- und Erkennungszeichen den Fisch. Und heute finden wir überall das Zeichen des Wassermanns, und zwar meist auf technischen Gebrauchsgütern: , das Zeichen für »Wechselstrom« oder »Strahlung« oder »Vorsicht Elektrizität«.


Kleiner Ausflug in die Astronomie

Alle Jahre wieder kommt der Frühling, auch wenn es manchmal nicht so aussieht oder der ganze Winter sich frühlinghaft gibt. Für die Astronomen ist der Beginn der Frühlingszeit exakt festgelegt.

Bekanntlich ist die Erdachse gegenüber der Sonnenbahn leicht geneigt. Die Sonnenbahn – auch Ekliptik genannt – schneidet daher die Verlängerung des Äquators auf den Himmel – Himmelsäquator genannt – in zwei Punkten. Der eine heißt Frühlingsknotenpunkt oder kurz Frühlingspunkt, und in ihm steht die Sonne zur Zeit der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Der andere heißt Herbstknotenpunkt, und in ihm steht die Sonne zur Zeit der Herbst-Tagundnachtgleiche.

Hält sich die Sonne also in diesem – mathematisch errechneten – Schnittpunkt auf, dann steht sie auch an einer bestimmten Stelle des Sternenhimmels. Diese kann man zwar nicht direkt beobachten – wenn die Sonne scheint, sieht man bekanntlich keine Sterne -, aber man kann sie berechnen.

Weil aber die Erde als Kreisel im Weltraum eine Art Schlingerbewegung durchführt, zeigt die Erdachse nicht immer in die gleiche Richtung. Als Folge davon liegt auch der Frühlingsknotenpunkt nicht immer an der gleichen Stelle des Sternenhimmels. Konkret gesagt: Er wandert ganz langsam durch die Sternbilder in Ekliptiknähe, das sind die bekannten Tierkreis-Sternbilder Widder bis Fische.

Diese Erscheinung war vermutlich schon den Babyloniern bekannt. Erstmals wiesen die Griechen darauf hin. Der Frühlingspunkt hält sich ungefähr 2100 Jahre in einem Sternbild auf, er braucht etwa 26000 Jahre für eine volle Umrundung des Sternbilder-Tierkreises. Derzeit verlässt der Frühlingspunkt das Sternbild »Fische« und wandert langsam ins Sternbild »Wassermann«. Die Wanderung ist, wie man sagt, »rückläufig«, also gegen den normalen Umlaufsinn der Sonne um die Ekliptik. Das ist durch die Art der Kreiselbewegung der Erdachse bedingt. Es handelt sich dabei um einen kosmischen Zufall – genauso gut könnte es umgekehrt sein.


Im Zeichen des Wassermanns

Magie und Wissenschaft

Es geht nicht mehr darum, die Rechte des Individuums zu verteidigen, sondern das Potenzial der Person zu erforschen. Theodore Roszak

Obwohl viele beim Namen »Wassermann« an Arnold Böcklins buntes Gemälde mit Meermännern und Nixen denken, ist dieses Bild falsch. Denn Wassermann ist ein Luftzeichen . Der Sage nach bringt der Wasserträger (so seine korrekte Bezeichnung) zweierlei Wasser in seinen beiden Fässern: das Wasser des Lebens und das Wasser des Todes.

Sein Symbol, die beiden übereinanderliegenden Wellenlinien (≈), wirkt recht modern. Es kann ebenso »Wasserschutzgebiet« bedeuten wie »Wechselstrom«. Letzteres würde den Kern dieses schillernden Zeichens gut treffen – denn es hat keinen Kern. So wie der Wechselstrom immer um ein Zentrum oszilliert, das er nur kurz streift, so sucht der Wassermann ständig sein innerstes Wesen, das er aber nicht hat oder zumindest nicht findet. So gerät er manchmal in Zustände, die der Schizophrenie, der seelischen Gespaltenheit nahekommen, obwohl er meistens durchblickt und über seinen Zustand Bescheid weiß.

Immer ist der Wassermann freiheitsliebend. Er setzt sich für die Unterdrückten ein, ist weitblickend, seiner Zeit voraus, exzentrisch, manchmal arrogant. Traumberufe des Wassermanns haben mit Flugzeugen, Computern und dem Internet zu tun. Immer ist der Wassermann eine Art Zauberer, ein moderner Magier, einer, der alle verblüfft und dann augenzwinkernd erklärt, dass das jeder kann. – Hier einige berühmte Männer, die unter diesem Zeichen geboren wurden:

Charles Darwin. Durch stetige, nüchterne Beobachtung gelangte er zur Evolutionstheorie.

Wolfgang Amadeus Mozart: In seiner Musik finden wir das Motiv der brüderlichen, allumfassenden, aber eher distanzierten Liebe, die die Menschen erlöst. Kein Wunder, dass es heute ein »Mozartrevival« gibt – und dass die dämonisch-perverse Seite seiner Persönlichkeit dabei nicht verschwiegen wird.

Friedrich der Große: Wie viele Wassermann-Politiker war er eine Integrationsfigur für sein Volk. Im Siebenjährigen Krieg hatte er Erfolg durch Abwarten, Ausharren und Nichtstun. Er schaffte die Hexenprozesse ab und gab seinen Bürgern Freiheit – in Maßen.

Jules Verne: Seine Voraussagen sind teilweise frappierend – seine Vorurteile (z. B. gegen die Deutschen) auch.

Bert Brecht : In seinen Dramen taucht oft das Thema des gespaltenen Menschen auf (»Der gute Mensch von Sezuan«, »Herr Puntila und sein Knecht Matti«).

Lewis Carroll : Auf der Tagseite seines Lebens verfasste er Abhandlung über die Auflösung mathematischer Determinanten, auf der Nachtseite entführte er die Leser (und vor allem die kleine Alice) in das Reich seiner skurrilen, grotesken und oftmals makabren Fantasie.

Thomas Alva Edison : Er war zwar nicht erleuchtet, leuchtete aber den Amerikanern heim. Als Erfinder der Glühlampe, des frühen Plattenspielers und vieler anderer Geräte (unter anderem des elektrischen Stuhls) machte er unsere Zivilisation erst richtig möglich.

Abraham Lincoln: Er wusste, dass Amerika in Zukunft nur dann stark sein konnte, wenn alle Staaten zusammenhielten. Außerdem befreite er die Sklaven – ob aus tiefer Menschlichkeit oder aus politischen Gründen, darüber streiten die Gelehrten.

Franklin D. Roosevelt: Auch er einte das Volk und führte es aus der Wirtschaftskrise. Der Kampf gegen den Tyrannen Hitler war ihm ein Herzensanliegen, allerdings auch aus politischen und wirtschaftlichen Gründen.

Ronald Reagan: Er war fasziniert von moderner Technik und initiierte das Star Wars-Abwehrsystem , wohl weniger aus Technik-Begeisterung denn aus politischem Kalkül, um die Sowjets wirtschaftlich zu ruinieren, was auch gelang. Außerdem kämpfte er für die Freiheit der Märkte, eine später als fatal erkannte Entwicklung.

In der Literatur über das »Neue Zeitalter« – eine Zeit lang identisch mit dem »New Age« – dominierte der Begriff »Transformation«. Dieser Ausdruck ist aber nicht typisch für das Zeichen Wassermann und die folgende Zeit. Es ist nur typisch für die Periode des Übergangs, in der wir uns gerade befinden. Denn Wassermann ist normalerweise stabil, bis es zu einer abrupten Katastrophe kommt. Viel charakteristischer ist die geistige Erfassung und Durchdringung der Welt. Überspitzt formuliert: Realität ist das, was in meinem Kopf vorgeht.

Mit einer solchen Anschauung werden, in Kombination mit dem Fortschritt der Wissenschaft, Zauberei und Magie auf ganz natürliche Weise möglich. Das haben auch die Physiker erkannt. Bei der Erforschung quantenphysikalischer Phänomene – also der Vorgänge in der Welt der Elementarteilchen – kamen sie zu so seltsamen Ergebnissen, dass die meisten Wissenschaftler die Augen davor verschließen und sich hinter Formeln und Messergebnissen verstecken.

Angefangen hat es mit einem berühmten Gedankenexperiment von Albert Einstein und Kollegen aus dem Jahr 1935, das 1964 von einem Physiker namens John Bell zu einem bemerkenswerten Beweis ausgebaut wurde. Mit einigen ganz einfachen Annahmen konnte Bell zeigen, dass »Zwillingsteilchen«, also Teilchen, die gemeinsam bei einer Art Schöpfungsakt entstanden, miteinander über beliebige Entfernungen kommunizieren können. Die Verbindung ist augenblicklich und über jede Entfernung gleich stark.

Aufs Menschliche übertragen: Jeder meiner Gedanken beeinflusst auf subtile Weise den gesamten Kosmos. Gehen wir noch einen Schritt weiter, können wir sagen: Meine Gedanken schaffen einen Kosmos. Und das ist nichts anderes als Magie, wissenschaftlich fundiert.

In ganz anderer Form hat dies der Satiriker und Mystiker Gustav Meyrink vorausgesehen. In seinem bereits 1916 erschienenen Roman »Das grüne Gesicht« beschreibt er die Macht der Gedanken:

Was einmal entstanden ist, kann nur scheinbar verschwinden. So ein Loch in das Netz zu reißen, in dem die Menschheit sich verfangen hat, – nicht durch öffentliches Predigen, nein: indem ich selbst der Fessel entrinne, das ist’s, was ich will.

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